Sicherheitseinbehalt vs. Bürgschaft

Zuletzt aktualisiert am 17. März 2026

Ein Sicherheitseinbehalt von 5 % oder 10 % mag nach einer Formalität klingen, ist für viele Unternehmen jedoch eine massive (und unnötige) Wachstumsbremse. Verdientes Kapital wird über Jahre hinweg auf fremden Konten „eingefroren“, entzieht dem Betrieb notwendige Liquidität und belastet die Bilanz. Zudem birgt das Warten auf die Restzahlung ein erhebliches Risiko bei einer Insolvenz des Auftraggebers.

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Ein Sicherheitseinbehalt ist ein vertraglich vereinbarter Teil des Rechnungsbetrages (meist 5 % bis 10 %), den der Auftraggeber als Sicherheit für Mängel oder unvollständige Leistungen vorerst zurückhält.
  • Dauer: Die Einbehalte binden Ihr Kapital über Jahre – bei der Erfüllung des Vertrags bis zur Abnahme, bei Mängelansprüchen in der Regel 4 Jahre (VOB) oder 5 Jahre (BGB).
  • Das Problem: Für Sie als Auftragnehmer bedeutet dies einen massiven Liquiditätsentzug, das Risiko der Auftraggeber-Insolvenz und eine unnötige Belastung Ihrer Bilanz (langfristige Forderungen).
  • Die Lösung: Sie können die Sicherheit auch durch eine Bürgschaft erbringen (Sicherheitentausch) oder mit dieser auslösen. So erhalten Sie sofort 100 % des Rechnungsbetrags ausgezahlt.
  • Der richtige Bürge: Eine Bürgschaftsversicherung ist i. d. R. günstiger als ein Bank-Aval, belastet Ihre Kreditlinie nicht und hat mehr Gestaltungsspielraum.

Was ist ein Sicherheitseinbehalt?

Ein Sicherheitseinbehalt ist eine vertragliche Vereinbarung, bei der ein Auftraggeber einen Teil des Rechnungsbetrages (meist 5 % bis 10 %) vorerst nicht zahlt. Dieser dient als Sicherheit für den Fall, dass vertragliche Verpflichtungen nicht vollständig erfüllt werden oder die erbrachte Leistung später Mängel aufweist. Erst nach Ablauf einer festgelegten Frist – häufig der vollständigen Erfüllung eines Vertrages oder der Gewährleistungszeit – wird die Summe an den Auftragnehmer überwiesen. Für Unternehmen ist dies eine finanzielle Belastung, da verdientes Kapital oft über Jahre hinweg auf fremden Konten „parkt“.

Es gibt verschiedene Optionen, wie ein Sicherheitseinbehalt erfolgen kann. Im Baurecht behält der Auftraggeber eine bestimmte Summe der Auftragssumme / Abschlagszahlungen ein. Das Geld zahlt der Auftraggeber auf ein gemeinsames Sperrkonto ein (spätestens nach 18 Werktagen).

Wie lange gilt der Sicherheitseinbehalt?

Die Dauer, für die ein Auftraggeber Geld einbehalten darf, hängt entscheidend vom Zweck der Sicherung ab. Man unterscheidet hierbei zwei wesentliche Phasen:

Sicherheit für die VertragserfüllungSicherheit für Mängelansprüche (Gewährleistung)
ZweckDiese Sicherung dient dazu, die ordnungsgemäße Ausführung der Bauleistung bis zur Fertigstellung zu garantieren.Nach der Abnahme der Leistung beginnt die Gewährleistungsfrist. Hier sichert sich der Auftraggeber mit der Sicherheit gegen Mängel ab, die erst später auftreten (Gewährleistungsansprüche).
DauerSie gilt während der gesamten Bau- oder Projektphase.Die Frist richtet sich nach dem Vertragstyp. Nach VOB/B sind es standardmäßig 4 Jahre, nach BGB in der Regel 5 Jahre.
RückzahlungSobald die Abnahme erfolgt ist und keine wesentlichen Mängel vorliegen, muss das zurückgehaltene Geld (oft 10 % der Abschlagsrechnungen) bezahlt werden. Er wird dann häufig durch den Einbehalt für Gewährleistungsansprüche in Höhe von 5 % ersetzt oder gegen eine Bürgschaft getauscht.Spätestens nach Ablauf dieser Fristen muss der einbehaltene Betrag bezahlt werden, sofern diese mängelfrei verlief oder diese ordnungsgemäß beseitigt wurden. Ohne Gewährleistungsbürgschaft bleibt Ihr Geld bis dahin beim Auftraggeber und steht Ihnen jahrelang nicht zur Verfügung.

Was sind die Vorteile?

Für Sie als Bauunternehmer bringt ein Bareinbehalt im Normalfall faktisch keinen Vorteil. Im Gegenteil: Er entzieht Ihrem Unternehmen verdientes Kapital, das oft über Jahre hinweg auf fremden Konten blockiert bleibt.

Ihr Auftraggeber hat verschiedene Vorteile bzw. Sicherheit:

  • Finanzielle Absicherung: Der Auftraggeber hat sofort verfügbares Geld in der Hinterhand, falls Baumängel auftreten, die Sie nicht oder nicht rechtzeitig beheben. Auch im Falle der Insolvenz ist er für etwaige Mehrkosten abgesichert.
  • Druckmittel: Da er Ihr Geld einbehält, hat er eine starke Position bei Verhandlungen über Mängelrügen oder Restarbeiten.
  • Liquiditätsvorteil auf Ihre Kosten: Solange das Geld auf seinem Konto (oder einem Sperrkonto) liegt, verbessert dies seine eigene Liquiditätssituation, während Ihrem Unternehmen das Geld fehlt.

Was sind die Nachteile des Sicherheitseinbehalts?

Während Ihr Auftraggeber auf der sicheren Seite ist, entstehen für Sie als Auftragnehmer handfeste wirtschaftliche Nachteile. Wer das Geld einfach „parkt“, verliert aktiv Geld:

  • Massiver Liquiditätsentzug: Bei einem Einbehalt von 5 % der Bruttosumme fehlen Ihnen bei einem 1-Mio.-Euro-Projekt sofort 50.000 EUR. Dieses Geld liegt beim Auftraggeber, statt in neue Aufträge oder Material zu fließen.
  • Vorfinanzierungslast: Sie haben bereits 100 % der Leistung erbracht (Löhne, Material, Miete, Steuern), erhalten aber nur 95 % des Geldes. Das belastet Ihren Cashflow und zwingt Sie im Zweifel dazu, teure Kontokorrentkredite bei der Bank zu nutzen.
  • Insolvenzrisiko des Auftraggebers: Wenn Ihr Auftraggeber Insolvenz anmeldet, bevor die 4 Jahre Gewährleistung um sind, ist das Geld oft weg. Ohne Sperrkonto-Regelung fließt Ihr verdientes Geld direkt in die Insolvenzmasse des Auftraggebers. Das hat bei einigen Unternehmen, insbesondere in der Baubranche, bereits zu Folgeinsolvenzen geführt.
  • Verlust von Skonti: Weil Ihnen die 5 % auf dem Konto fehlen, können Sie Ihre eigenen Lieferantenrechnungen vielleicht nicht sofort bezahlen. Dadurch entgehen Ihnen wertvolle Skonti, was Ihre Marge direkt schmälert.
  • Hoher Verwaltungsaufwand: Sie müssen über Jahre hinweg Buch führen, wann welche Rechnungssumme eingefordert werden kann, und diesen nach 4 oder 5 Jahren aktiv einfordern. Oft geraten diese „kleinen“ Summen in Vergessenheit – zum Vorteil des Auftraggebers.
  • Forderung steht in der Bilanz: Da die Forderung bereits mit der Schlussrechnung entsteht, müssen Sie den Gewinn daraus oft schon versteuern, obwohl der Einbehalt noch gar nicht auf Ihrem Konto eingegangen ist. Sie zahlen also Steuern auf Geld, das noch beim Kunden liegt. Da diese Forderungen erst in 4 oder 5 Jahren fällig werden, gelten sie als „langfristig“. Das verschlechtert das Verhältnis von kurzfristig verfügbarem Vermögen zu kurzfristigen Schulden.

Alternative: Sicherheitsleistung mit einer Bürgschaft erbringen

Sowohl das Bürgerliche Gesetzbuch als auch VOB/B eröffnen die Möglichkeit einer Bürgschaft als Sicherheit (§ 232 II BGB, § 650m BGB & § 17 II VOB/B). Damit kann der Sicherheitseinbehalt abgelöst werden
(Sicherheitentausch) oder direkt damit erbracht werden.

Mögliche Bürgen sind Versicherer oder Banken. Bürgschaften von Versicherern haben einige Vorteile gegenüber Bankavalen, darunter:

  • Keine Belastung Ihrer Kreditlinie
  • keine Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit
  • Niedrigerer Beitragssatz
  • Individuelle Gestaltung möglich
  • Schnellere Bearbeitung
  • Einfacher Angebotsvergleich

Was sind die Vorteile einer Bürgschaftsversicherung?

Wenn Sie einen Sicherheitseinbehalt durch eine Bürgschaft ablösen, wandeln Sie eine „tote“ Forderung in sofort verfügbares Kapital um. Das bietet Ihnen folgende strategische Vorteile:

Sofortige LiquiditätStatt während der Gewährleistungsphase 4 oder 5 Jahre auf Ihre 5 % Restzahlung zu warten, erhalten Sie das Geld unmittelbar nach Übergabe der Bürgschaftsurkunde bzw. nach Fertigstellung. Sie bekommen 100 % des Rechnungsbetrages gezahlt. Dieses steht für Löhne, Material oder Investitionen zur Verfügung. Gleiches gilt für die Ausführungsphase.
Geringerer VerwaltungsaufwandStatt Sicherheitseinbehalte in Excel-Listen nachzuhalten, können Sie alle ausgegebenen Bürgschaften im Kreditportal Ihres Versicherers einsehen und prüfen.
Sicherheit gegen Insolvenz des AuftragebersWenn Sie die Restsumme beim Auftraggeber belassen, tragen Sie über die gesamte Gewährleistungsfrist (oft 4 Jahre) das Risiko, das Geld nicht zu erhalten. Bei Stellung einer Bürgschaft erhalten Sie das Geld direkt nach Abnahme.
Professionelles AuftretenDie Stellung einer Urkunde eines namhaften Versicherers signalisiert Ihrem Auftraggeber eine sehr gute Bonität, da Sie ansonsten keine Bürgschaft bekommen würden. Das schafft Vertrauen und stärkt Ihre Position für zukünftige Aufträge.
Geringere Kosten als BankavalIm Vergleich zur Versicherungsbürgschaft ist die Bürgschaft eines Kautionsversicherers meist günstiger und flexibler.

Kostenvergleich: Sicherheitseinbehalt vs. Bürgschaft

Die Premium Bau GmbH & Ko. KG hat einen Bauvertrag nach Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen über ein Gesamtvolumen von 1.000.000 EUR abgeschlossen. Der Auftrag wurde vertragsgerecht abgeschlossen und die Gewährleistungsphase beginnt. Hierfür kann der Auftraggeber 5 %, also 50.000 EUR einbehalten. Stattdessen beantragt das Unternehmen einen Bürgschaftsrahmen für Gewährleistungsbürgschaft mit einem Beitrag von jährlich 400 EUR. Eine Bankbürgschaft wäre deutlich teurer. Die Bürgschaftsurkunde wird beim Auftraggeber hinterlegt und die Rechnung zu 100.000 EUR beglichen. Das Geld kann in neue Projekte investiert, Rechnungen sofort bezahlt und Skonti gezogen werden.

Fazit: Mehr Sicherheit und Liquidität mit Bürgschaft

  • Der Sicherheitseinbehalt ist eine Sicherheit für Ihren Auftraggeber, hemmt aber Ihre Liquidität.
  • Eine gute Alternative ist eine Bürgschaft von einem Kautionsversicherer. Damit wird die Sicherheitsleistung erbracht, Sie erhalten aber den vollständigen Rechnungsbetrag.
  • Empfehlung: Auch bereits vorhandene Sicherheitseinbehalte können durch Bürgschaften ausgelöst werden, sodass das gebundenes Kapital wieder frei wird.

Häufige Fragen zu den Kosten einer Anzahlungsbürgschaft

Ein Sicherheitseinbehalt ist eine Sicherheit für den Auftraggeber, dass die vertraglichen Leistungen erfüllt und nach Abnahme der Bauleistung Mängelbeseitigung abgesichert wird.

Nach VOB/B dürfen bis zu 5 % der Auftragssumme als Sicherheit einbehalten werden.

Je nach Zweck der Sicherheitsleistung wird dieser nach Abnahme sowie nach Ende der Gewährleistungsphase (BGB 5 Jahre, VOB/B 4 Jahre) bezahlt. Oft muss dieser aktiv vom Auftraggeber eingefordert und nachgehalten werden.

Ein vorhandener Einbehalt kann per “Sicherheitentausch” gegen eine Bürgschaft ausgetauscht werden. Dazu wird eine Bürgschaft in erforderlicher Höhe bestellt und die Bürgschaftsurkunde an den Auftraggeber übergeben.

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Über Ulf Papke
2009 gründete Ulf Papke das Vergleichsportal Bürgschaft24. Als Innovator der Branche geht Ulf Papke neue Wege, um Unternehmen zu besseren Lösungen und Unternehmern bei wichtigen Entscheidungen zu helfen. Heute ist er mit der Papke Consulting Gruppe als externer Risk Manager ganzheitlich für seine Mandanten da.

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